1. Literarisches Quartett

Veröffentlicht am 12.03.2017

Erst­mals hatten die Schüler und Schülerinnen des Gym­na­si­ums die Möglichkeit an einem vom Klub­Li­te­ra­tur­Kul­tur gestal­te­ten Lite­ra­tur­quar­tett“ mit­zu­ma­chen. Ganz von dem Motto Österreichisches“ geprägt, wurden drei Werke aus­ge­sucht und näher unter­sucht: Cas­tel­lio gegen Calvin“ (Stefan Zweig), Die Wand“ (Marlen Haus­ho­fer), und Radetz­ky­marsch“ (Joseph Roth).

Begeis­tert berich­te­ten die Grup­pen, bestehend aus drei bis vier Lite­ra­tur­lie­ben­den, von den Büchern und ihren Gedan­ken und Gefühlen in Bezug auf das bear­bei­tete Werk. Ziel davon war es natürlich das durch­aus zahl­rei­che Publi­kum auf die Bücher neu­gie­rig zu machen.

Cas­tel­lio gegen Calvin“:
Eine Geschichte die von der Gewalt in Genf um 1550 berich­tet. Von star­ken Begrif­fen wie Kate­chis­mus und Huma­nis­mus erzählte die Gruppe von dem Refor­ma­tor Jean Calvin, das geist­li­che und welt­li­che Ober­haupt der Stadt, der auf den spa­ni­schen Quer­den­ker Miguel Servet trifft. Dieser will Calvin’s Fehler in der Hei­li­gen Schrift zeigen, der jedoch ver­wei­gert jeg­li­che Dis­kus­sion darüber und will ihn dafür bestra­fen. Servet wird schließ­lich bei leben­di­gem Leibe ver­brannt. Dar­auf­hin gibt es großen Auf­ruhr von Sebas­tian Cas­tel­lio, einem Pro­fes­sor, der den Kampf des Gewis­sens gegen die Gewalt anfech­tet und meint, dass eine Lehre ver­tei­di­gen nie­mals einen Men­schen zu töten recht­fer­tigt. Somit ent­steht zwi­schen den beiden ein schwer­wie­gen­der Kon­flikt, ein Kon­flikt zwi­schen Gewalt und Gewis­sen. Wer wird sich bloß in dieser Epoche durch­set­zen können und siegen?

Die Wand“:
Eine Frau wird auf einem Wochen­ende am Land in einer unsicht­ba­ren Blase gefan­gen. Sie ist alleine, auf sich selbst gestellt, ohne mensch­li­che Gesell­schaft. Die Ich-Erzählerin ist von einer unsicht­ba­ren Wand gefan­gen. Mit der Zeit lernt sie damit umzu­ge­hen, sich Essen in der Natur zu besor­gen und baut eine ganz beson­dere Bezie­hung zu den Tieren des Waldes auf. Selbst die Wand selbst lernt sie allmählich immer genauer kennen, sie erkun­det ihre Form, ihre Gren­zen. Den­noch wird sie einem psy­cho­lo­gi­schen Expe­ri­ment unter­zo­gen, sie ent­wi­ckelt eine zuneh­mende Dis­tanz zu ihrem alten Ich, zu ihrer Ver­gan­gen­heit, ihrem eigent­li­chen Leben. Doch wird sie jemals wieder in ihr altes Leben zurückfinden?

Radetz­ky­marsch“:
Schon der Titel nimmt die Umstände der Geschichte vorweg. Der Autor erzählt von einer mit dem Kai­ser­haus der Habs­bur­ger ver­bun­de­nen Fami­lie, die Fami­lie Trotta. Eine Geschichte der österreichischen Mon­ar­chie, die das noble Leben mit dem ärmlichen Bau­ern­le­ben
kon­tras­tiert und von den Ereig­nis­sen von der berühmten Schlacht von Sol­fe­rino und der Rolle des Bürgertums in militärischen Ange­le­gen­hei­ten haut­nah erzählt. Neben der Haupt­hand­lung wird außer­dem die österreichische Kultur und Atti­tude beleuch­tet und schwärmt von österreichischen Spezialitäten, die man nur als Österreicher kennt. Ein Buch, das laut den Refe­rie­ren­den jeder Österreicher und jede Österreicherin, die auch nur ein klei­nes biss­chen für das Hei­mat­land schwärmen, gele­sen haben sollte.

Nicht nur inhalt­lich, son­dern auch um das Wohl­be­fin­den des Publi­kums und der Teil­neh­mer wurde bes­tens gesorgt. Selbst geba­ckene Küchlein und Kekse und Wasser versüßten das Event wortwörtlich und dank der lei­ten­den Mode­ra­tion von Simon Becke (7B) wurde das Publi­kum ange­nehm durch die Ver­an­stal­tung geführt. Abschlie­ßend gab es sogar die Möglichkeit nach der Beant­wor­tung einer Quiz­frage zu jedem Werk, jedes Werk exklu­siv zu gewin­nen und sich somit gleich selbst in das Buch zu stürzen.
Das erste lite­ra­ri­sche Quar­tett war nicht nur in den Augen der Teil­neh­mer und Teil­neh­me­rin­nen, son­dern auch in Augen des Publi­kums ein voller Erfolg und sicher­lich nicht das letzte dieser Sorte! An dieser Stelle vielen Dank an alle Invol­vier­ten für das Ermöglichen dieses spe­zi­el­len lite­ra­ri­schen Nach­mit­ta­ges.

Video von Julia Kain­rath