Roots & Wings – Sur­vi­val Skills in the Digi­tal World“

Gemein­sam mit dem Ober­stu­fen­gym­na­sium Nur­mes­ken lukio in Nurmes/​Finnland und der Crickhow­ell High­school in Wales ist das BG/BRG Klos­ter­neu­burg in Nie­der­ös­ter­reich die dritte Part­ner­schule des zwei­jäh­ri­gen Eras­mus+ Schul­aus­tausch­pro­gramms der Euro­päi­schen Union. Der Start erfolgte im Schul­jahr 201617 und seit­her arbei­ten unsere Schü­ler schul- und län­der­über­grei­fend mit Kol­le­gen aus Finn­land und Wales an gemein­sa­men Themen und Pro­jek­ten.

Pro­jekt­jahr 1

Vor­be­rei­tungs­tref­fen

Zum Auf­takt des zwei­jäh­ri­gen Pro­jekts fand im Okto­ber 2016 ein erstes Leh­r­er­tref­fen in Finn­land statt. Der vier­tä­gige Aus­tausch bot Gele­gen­heit, die Kol­le­gen aus Wales und Finn­land per­sön­lich ken­nen­zu­ler­nen und einen Ein­druck von unse­rer fin­ni­schen Part­ner­schule zu gewin­nen.
Das Haupt­an­lie­gen des Tref­fens war, mit der Admi­nis­tra­tion des Pro­jekts und seiner Orga­ni­sa­tion ver­traut zu werden. Gleich­zei­tig wurde die Zeit genutzt, inten­siv an den Inhal­ten des ersten Pro­jekt­jah­res zu arbei­ten und damit das Ken­nen­ler­nen der Part­ner und das erste Schü­ler­tref­fen in Nurmes im April 2017 auf einen guten Weg zu brin­gen.

1 – Der erste Schritt

In einem offe­nen Ver­fah­ren wurden zu Beginn des ersten Pro­jekt­jah­res inter­es­sierte Ober­stu­fen­schü­ler aus den 5. und 6. Klas­sen ein­ge­la­den, um das zwei­jäh­rige Aus­tausch­pro­gramm vor­zu­stel­len. Das Inter­esse war groß und das Pro­jekt konnte schließ­lich mit 16 Schü­le­rin­nen und 3 Schü­lern star­ten.

2 – Work­shops im ersten Pro­jekt­jahr

Bedin­gung für die Auf­nahme in das Pro­gramm war die Bereit­schaft der Schü­ler, in der schul­freien Zeit zusätz­li­che Arbeit zu leis­ten. Dazu zählte die Teil­nahme an zwei­stün­di­gen Work­shops am Nach­mit­tag, die im ersten Jahr regel­mä­ßig, zunächst wöchent­lich, dann vier­zehn­tä­gig abge­hal­ten wurden.
In Phase 1 wurden die Schü­ler mit dem Pro­jekt­thema und mit der Ver­öf­fent­li­chungs­platt­form Twin­s­pace ver­traut gemacht. Wei­tere Auf­ga­ben bestan­den darin, ein Vor­stel­lungs­vi­deo über Teil­neh­mer und Schule zu drehen und – in Vor­be­rei­tung auf unsere Finn­land­wo­che – eine Umfrage zur Social-Media Nut­zung an unse­rer Schule durch­zu­füh­ren.
Par­al­lel dazu wurde gemein­sam an Ideen für ein eigen­stän­di­ges Pro­jekt gear­bei­tet. Dabei kris­tal­li­sierte sich eine Frage als beson­ders inter­es­sant heraus: Wie können wir uns frem­den Län­dern und den Men­schen dort im Vor­feld annä­hern?
Natür­lich ist es nahe­lie­gend, auf klas­si­sche Infor­ma­ti­ons­ka­näle wie Inter­net oder Rei­se­füh­rer zurück­zu­grei­fen. Viel span­nen­der fanden wir die Über­le­gung, auf lite­ra­ri­sche Spu­ren­su­che zu gehen. Kann die Beschäf­ti­gung mit der Lite­ra­tur eines Landes Auf­schluss über Land und Leute geben? Diese Frage inter­es­sierte die Schü­ler und das Pro­jekt stand fest:

Eine Spu­ren­su­che mit Kri­mi­nal­li­te­ra­tur aus Finn­land, Groß­bri­tan­nien und Öster­reich

Kri­mi­nal­li­te­ra­tur wurde zum Aus­gangs­punkt für einen inter­kul­tu­rel­len Ver­gleich, weil

  • Krimis das erfolg­reichste Genre auf dem lite­ra­ri­schen Markt sind
  • Krimis auch von Jugend­li­chen gerne gele­sen werden
  • Krimis oft das Lokal­ko­lo­rit eines Landes und der dort leben­den Men­schen bewusst ein­flie­ßen lassen, auch wenn darin glo­bale Probleme/​Themen behan­delt werden

Im nächs­ten Schritt wurde eine Aus­wahl geeig­ne­ter Krimis aus Finn­land, Wales und Öster­reich zusam­men­ge­stellt und die Schü­ler wähl­ten sich in die Län­der­grup­pen ein. Jeder Schü­ler wählte nun ein Werk, das er lesen und auf lan­des­kund­li­che Infor­ma­tio­nen hin (lan­des­ty­pi­sche Schau­plätze, Archi­tek­tur, Ess- und Trink­kul­tur, Lebens­ge­wohn­hei­ten und Gepflo­gen­hei­ten, kul­tu­relle Iden­ti­tät, Tra­di­tio­nen und Bräu­che etc.) unter­su­chen sollte.
Die Erkennt­nisse aus den Ein­zel­lek­tü­ren wurden in einem ganz­tä­gi­gen Work­shop im März 2017 zunächst inner­halb der Län­der­grup­pen prä­sen­tiert und danach in der Gruppe zusam­men­ge­führt. Die Ergeb­nisse stell­ten schließ­lich die Län­der­grup­pen ein­an­der vor.
Diese Ergeb­nisse waren inso­fern inter­es­sant, als sich deut­lich zeigte, dass Kri­mi­nal­li­te­ra­tur eine wahre Fund­grube an lan­des­kund­li­chen Infor­ma­tio­nen ent­hält. Zugleich konn­ten die Schü­ler erken­nen, wie aus­ge­prägt in diesem Genre die Ten­denz zu Gene­ra­li­sie­rung, Typi­sie­rung, Kli­schee­bil­dung und Ste­reo­ty­pi­sie­rung tat­säch­lich ist. 

Fol­gende Werke wurden für den inter­kul­tu­rel­len Ver­gleich gele­sen und stu­diert:

Groß­bri­tan­nien
  • Arthur Conan Doyle: Die Aben­teuer des Sher­lock Holmes“ 
  • Roald Dahl: Küss­chen, Küss­chen!“
  • Ian Rankin: Schla­fende Hunde“ 
  • Paula Haw­kins: Girl on the train“
  • Ann Gran­ger: Mord mit spit­zer Feder“
Finn­land
  • Leena Leh­to­lai­nen: Wer sich nicht fügen will“ 
  • Jari Tervo: Die Geschichte meiner Fami­lie
  • Penti Kirstilä: Klir­ren­der Frost 
  • Matti Rönkä: Rus­si­sche Freunde 
  • Pekka Hil­tu­nen: Die Frau ohne Gesicht
  • Seppo Joki­nen: Gefal­lene Engel
Öster­reich
  • The­resa Prager: Wiener Toten­lie­der
  • Beate Fer­ch­län­der: Das Nuss­stru­del­kom­plott
  • Eva Ross­man: Wein und Tod
  • Clau­dia Ross­ba­cher: Stei­rer­kreuz
  • Wolf Haas: Der Kno­chen­mann
  • Thomas Raab: Still 

3 – Besuch in Nurmes, Finn­land

Neben der span­nen­den Arbeit an inter­kul­tu­rel­len Fra­ge­stel­lun­gen und Themen zählen die ein­wö­chi­gen Gast­auf­ent­halte an den Part­ner­schu­len sicher zu den Höhe­punk­ten des Eras­mus+ Pro­gramms. Die erste Reise führte uns vom 23. bis 29. April 2017 in das fin­ni­sche Städt­chen Nurmes in Nord­ka­re­lien. Dort lern­ten unsere Schü­ler ihre Kol­le­gen aus Wales und Finn­land erst­mals kennen. Die Work­shops an der ört­li­chen Schule stan­den unter dem Motto Digi­tal Liter­acy“ und die Schü­ler recher­chier­ten, dis­ku­tier­ten, ent- und ver­war­fen, tex­te­ten, zeich­ne­ten und film­ten wäh­rend der Woche in gemisch­ten Grup­pen zu ihren jewei­li­gen Fra­ge­stel­lun­gen. Dabei ging es um inter­es­sante Themen wie Fake News, reale, vir­tu­elle und algo­rith­mi­sche Iden­ti­tä­ten, die Glaub­wür­dig­keit von Inter­net­quel­len, um Netz­si­cher­heit und um Suc­cess Sto­ries als Stu­di­en­ob­jekte für digi­tale Kar­rie­ren. Zusätz­lich boten Skype-Vor­träge von Fach­leu­ten aus der Bran­che inter­es­sante Ein­bli­cke. Was im Laufe dieser Woche dar­über hinaus pas­siert ist, lässt sich unter dem Begriff kul­tu­relle Annä­he­rung“ tref­fend zusam­men­fas­sen. Die öster­rei­chi­schen Schü­ler waren in Gast­fa­mi­lien unter­ge­bracht und hatten auch abseits der Work­shops zahl­rei­che Gele­gen­hei­ten, kul­tu­relle Unter­schiede und Gemein­sam­kei­ten zu ent­de­cken und vor allem neue, län­der­über­grei­fende Freund­schaf­ten zu schlie­ßen.

Pro­jekt­jahr 2

1 – Betreu­er­tref­fen in Klos­ter­neu­burg, August 2017

Noch vor dem offi­zi­el­len Schul­start ins zweite Pro­jekt­jahr waren unsere fin­ni­schen und wali­si­schen Kol­le­gin­nen von 28. bis 31. August in Klos­ter­neu­burg zu Gast. Auf dem Pro­gramm stan­den die Nach­be­spre­chung und Eva­lu­ie­rung der Work­shops in Finn­land sowie die Pro­gramm­be­spre­chung für unse­ren nächs­ten Gast­auf­ent­halt in Wales. Gemein­sam dis­ku­tiert wurden auch die ersten Ideen für den Schü­ler­auf­ent­halt in Klos­ter­neu­burg.

2 – Vor­be­rei­tungs­work­shops

Gleich nach dem Schul­start im Sep­tem­ber began­nen die Schü­ler in wöchent­li­chen Work­shops mit den Vor­be­rei­tun­gen für unsere Wales-Woche im Novem­ber 2017. Die Arbeit wurde in zwei Grup­pen geteilt. Wäh­rend die Schü­ler, die für Wales vor­ge­se­hen waren, an ihrer Prä­sen­ta­tion zum Kri­mi­pro­jekt arbei­te­ten, über­nahm der zweite Teil die Vor­be­rei­tun­gen für die Work­shops in Wales.
Pre­pa­ra­tion Tasks Wales In Klein­grup­pen wurde zu den The­men­schwer­punk­ten Iden­ti­tät, Gesund­heit, Sport und Ernäh­rung gear­bei­tet. Für die Schü­ler bedeu­tete das, Apps zu suchen und zu erpro­ben, die kör­per­li­cher Wohl­be­fin­den, Fit­ness, Ernäh­rung und Ent­span­nung ver­spre­chen. Außer­dem sollte die Bewer­bung von Spei­sen bzw. Snacks in den diver­sen Medien (u.a. in TV und Print­me­dien) ana­ly­siert werden. Bei den wöchent­li­chen Tref­fen und auch dazwi­schen wurde flei­ßig recher­chiert. Alle gesam­mel­ten Infor­ma­tio­nen wurden abschlie­ßend von den Schü­lern über­ar­bei­tet, auf Power­point über­sicht­lich dar­ge­stellt und intern prä­sen­tiert. Bei dieser Gele­gen­heit wurde auch unser Koch­buch­pro­jekt ent­wi­ckelt. Die von den Schü­lern gesam­mel­ten Rezepte öster­rei­chi­scher Gericht wurden zusam­men­ge­tra­gen, in ein ein­heit­li­chen Layout gebracht und mit hand­ge­zeich­ne­ten Cover­sei­ten ver­se­hen. So ent­stand ein sehr per­sön­lich gestal­te­tes Koch­buch, das den Eras­mus­schü­lern aus Finn­land und Wales bei ihrem Besuch in Öster­reich über­reicht werden soll.
Prä­sen­ta­tion unse­res Kri­mi­pro­jekts Ein zwei­ter Vor­be­rei­tungs­schwer­punkt war die Prä­sen­ta­tion unse­res Kri­mi­pro­jekts in Wales. Gemein­sam mit den Schü­lern sollte ein Format ent­ste­hen, das das lite­ra­ri­sche Län­der­kun­de­pro­jekt mög­lichst leben­dig vor­stellt. Schließ­lich stand das Kon­zept fest. Für den Ein­stieg in die Prä­sen­ta­tion wurde ein Film gedreht, der das spon­tan abge­fragte Wissen zu Finn­land und Wales bei Klos­ter­neu­bur­ger Leh­rern und Schü­lern auf humor­volle Weise dar­stellt. Danach folgte ein Vor­trags­teil in Dia­log­form, der die Ent­ste­hung der Pro­jekt­idee anschau­lich schil­dert. Im drit­ten Abschnitt wurden die gele­se­nen Werke vor­ge­stellt. Schließ­lich wurden die wich­tigs­ten Ergeb­nisse in knapp gefass­ten Power­points und in Form eines klas­si­schen Vor­trags prä­sen­tiert. Die Prä­sen­ta­tion mün­dete schließ­lich in eine offene Dis­kus­sion über Ste­reo­type und Kli­schees, an der sich die Kol­le­gen aus Finn­land und Wales erfreu­lich rege betei­lig­ten.

3 – Besuch in Crickhow­ell, Wales

Nach dem sehr erfolg­rei­chen ersten Besuch im Rahmen des Eras­mus+ Pro­gramms in Nurmes, Finn­land, führte die zweite Reise die Schü­le­rIn­nen von 12. bis 18. Novem­ber in den wali­si­schen Ort Crickhow­ell. Schon vorab hatten sich einige Bekannt­schaf­ten via diver­ser sozia­ler Netz­werke, aber auch durch das vor­an­ge­gan­gene Tref­fen zwi­schen den Schü­le­rIn­nen ent­wi­ckelt. Die geknüpf­ten Bezie­hun­gen soll­ten sich wäh­rend des Auf­ent­halts noch ver­tie­fen. Die Schü­le­rIn­nen der drei Natio­nen arbei­te­ten in unter­schied­li­chen Work­shops zu den Themen Iden­tity“, Tra­di­tio­nal Reci­pes“, Sports and fit­ness“, Food and Health in Adver­ti­se­ments“ und Mental Health“ zusam­men. Gemein­sam wurde recher­chiert, gekocht, gemalt, gefilmt und Sport getrie­ben und somit wurde nicht nur Wissen gesam­melt, son­dern man lernte ein­an­der und die unter­schied­li­chen Kul­tu­ren besser kennen. Am Ende der Woche waren die Schü­le­rIn­nen rei­cher an Wissen, vor allem aber haben sie einen unschätz­ba­ren Ein­blick in das Leben in Wales erhal­ten und neue, inter­na­tio­nale Freund­schaf­ten geschlos­sen.

4 – Vor­be­rei­tung Klos­ter­neu­burg 2018 

Der­zeit laufen die Vor­be­rei­tun­gen für die Abschluss­wo­che des Eras­mus+ Pro­jekts in Klos­ter­neu­burg.