Lernen von den Profis: Literaturworkshops mit Julya Rabinowich und Olga Flor

Im Rahmen des Literaturpreis!Klosterneuburg gab es fünf Schreibworkshops am BG/BRG Klosterneuburg.

Veröffentlicht am 24.09.2018

Schreib, wenn du kannst!
Wer denkt, dass Schü­le­rin­nen und Schü­ler an freien Nach­mit­ta­gen bei Bade­tem­pe­ra­tu­ren um die 30° nie­mals frei­wil­lig in der Schule auf­tau­chen würden, irrt. Tat­säch­lich haben ins­ge­samt rund 140 junge Damen und Herren unse­res Gym­na­si­ums und der Neuen Mit­tel­schu­len Her­mann­straße und Lang­stö­ger­gasse einen der ins­ge­samt fünf Schreib­work­shops am BG/BRG Klos­ter­neu­burg besucht. Ein erfreu­li­cher Start für das schöne Pro­jekt Literaturpreis!Klosterneuburg.


Aus der Werk­statt geplau­dert

Die Work­shops für 11- bis 14-Jäh­rige

Schreib­werk­statt für 2. Klas­sen
Was sind Men­schen­rechte eigent­lich? Aus wel­chem Anlass sind sie ent­stan­den? Was genau schüt­zen sie? Was bedeu­ten Begriffe wie Gewis­sen oder Würde? Was haben die Men­schen­rechte mit uns zu tun? Diese und viele andere Fragen wurden gemein­sam bespro­chen und leb­haft dis­ku­tiert, bevor die Schü­le­rin­nen und Schü­ler ihre Schreib­hefte“ mit aller­lei Anre­gun­gen und Schrei­b­im­pul­sen unter den Arm klemm­ten, sich ruhige Ecken such­ten und an ihren Ideen zu arbei­ten began­nen.

Work­shop­lei­tung: Hemma Poledna, Ulli Schark

3. Klas­sen
Ein­fach drauf­los­schrei­ben hieß es nach einer kurzen Film­vor­füh­rung über Men­schen­rechte zu Beginn der Schreib­werk­stätte der 3. Klas­sen. Binnen zehn Minu­ten ließen sich die Schü­le­rin­nen und Schü­ler, die gemein­sam mit Frau Prof. Priska Sei­sen­ba­cher und Frau Prof. Alex­an­dra Gruber werk­ten, vom Fluss ihrer Gedan­ken leiten. Danach stan­den den expe­ri­men­tier­freu­di­gen Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mern ver­schie­dene Auf­ga­ben offen, aus denen sie frei wählen konnte. Als Ide­en­zün­der gab es etwa Düfte der Erin­ne­run­gen“ oder Schlag­zei­len“ aus Zei­tun­gen. An wei­te­ren Sta­tio­nen stan­den Bilder und Comics zu Men­schen­würde, Obdach­lo­sig­keit und Ras­sis­mus als Impulse zur Ver­fü­gung. Am Ende durf­ten die vielen Krea­ti­ven noch schnip­peln: Der beste Satz aus ihrem aller­ers­ten Schreib­ver­such dieses Nach­mit­tags stand nun am Anfang eines neuen Texts …

Work­shop­lei­tung: Alex­an­dra Gruber, Priska Sei­sen­ba­cher

4. Klas­sen
Unsere Jugend kann sich nicht kon­zen­trie­ren.
Unsere Jugend liest keine Bücher.
Unsere Jugend schreibt frei­wil­lig nicht mehr als eine Whats-App-Nach­richt auf einmal.
Unsere Jugend kann keine Empa­thie emp­fin­den.
Unsere Jugend setzt sich nicht mit sich selbst aus­ein­an­der.
Unsere Jugend enga­giert sich nicht. 

Über drei­ßig 14-jäh­rige Mäd­chen und Buben aus den Klos­ter­neu­bur­ger Schu­len bewie­sen das Gegen­teil und arbei­te­ten einen ganzen freien Nach­mit­tag lang an ihren Ein­rei­chun­gen für den Literaturpreis!Klosterneuburg.

Work­shop­lei­tung: Clara Anschu­ber & Bar­bara Poynt­ner


Lernen von den Profis:
Lite­ra­tur­work­shops mit Julya Rabi­no­wich und Olga Flor

70 Jahre Men­schen­rechte sind das Thema beim Literaturpeis!Klosterneuburg 2018. Rund 45 Schü­le­rin­nen und Schü­ler der Ober­stufe holten sich an zwei Nach­mit­ta­gen Impulse und Anre­gun­gen von hoch­ka­rä­ti­gen Ver­tre­te­rin­nen der zeit­ge­nös­si­schen öster­rei­chi­schen Lite­ra­tur.

Don­ners­tag, 13. Sep­tem­ber: Julya Rabi­no­wich
Man kann die sprich­wört­li­che Steck­na­del fallen hören, als die öster­rei­chi­sche Auto­rin mit rus­si­schen Wur­zeln am ersten Work­shop­nach­mit­tag Aus­schnitte aus ihrem preis­ge­krön­ten Debüt­ro­man Spalt­kopf“ liest. Die darin ver­ar­bei­te­ten auto­bio­gra­fi­schen (Flucht)Erfahrungen bezie­hen sich auf die schwie­ri­gen Lebens­be­din­gun­gen in der ehe­ma­li­gen Sowjet­union. Men­schen­rechte also, haut­nah, beklem­mend und gro­tesk zugleich. Dass die Auto­rin dar­über hinaus einen Inte­gra­ti­ons­ro­man“ aus der Per­spek­tive eines 15-jäh­ri­gen Mäd­chens geschrie­ben und jah­re­lang als Über­set­ze­rin im Asyl­we­sen gear­bei­tet hat, bietet Anlass für viele Fragen der Schü­le­rin­nen und Schü­ler. Frau Rabi­no­wich ant­wor­tet gerne und ist ent­waff­nend offen im Gespräch.
Doch die Erfah­run­gen der Auto­rin decken sich nicht mit jenen der jungen Men­schen im son­nen­durch­flu­te­ten Klas­sen­raum. Wie also einen Zugang und eigene Ideen zum Thema finden? Es geht uns doch gut hier! Es wird dis­ku­tiert, erzählt, erwo­gen und schließ­lich: geschrie­ben. 15 Minu­ten lang, ohne Pause. Die Kon­zen­tra­tion im Raum ist phy­sisch greif­bar. Hier pas­siert etwas. Danach widmet sich Julya Rabi­no­wich in Einzel- und Klein­grup­pen­ge­sprä­chen den Schü­le­rin­nen und Schü­lern. Sie hört sich die vielen Ideen und Ent­würfe an, fragt nach, hilft weiter, lobt, kom­men­tiert. Die Stim­mung ist inten­siv, kon­zen­triert und ermu­ti­gend. Nein, die Men­schen­rechte sind nicht von ges­tern. Lite­ra­tur übri­gens auch nicht. 

Ulli Schark

Frei­tag, 14. Sep­tem­ber: Olga Flor 
Die Stimme erhe­ben, Texte schrei­ben und das für Men­schen­rechte – so lau­tete das Motto des dies­jäh­ri­gen Lite­ra­tur­work­shops am Nach­mit­tag des 14. Sep­tem­bers dieses Schul­jah­res. Die hoch­ka­rä­tige Work­shop­lei­tung ermög­lichte den Schü­le­rIn­nen, von nie­mand Gerin­ge­rem als der Auto­rin Olga Flor zu lernen. Dafür blie­ben sie schließ­lich in großer Zahl auch an einem Frei­tag­nach­mit­tag gerne ein paar Stun­den länger in der Schule. Schreib­an­lässe bot das Thema Men­schen­rechte genug. Einer gemein­sa­men Erar­bei­tung und theo­re­ti­schen Ein­füh­rung in die Bedeu­tung der vielen ver­schie­de­nen Men­schen­rechte folgte die Kon­zi­pie­rung von Kurz­ge­schich­ten, Essays und Gedich­ten. Der Krea­ti­vi­tät der Schü­le­rIn­nen waren keine Gren­zen gesetzt und so ent­stan­den Texte, die wohl unter­schied­li­cher nicht sein könn­ten und doch alle das glei­che Ziel ver­folg­ten: Die Wah­rung der Men­schen­würde und die Pro­ble­ma­ti­sie­rung von Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen.

Seht zu, dass eure Figu­ren an Fleisch gewin­nen. Lernt sie rich­tig kennen“, so die Auf­for­de­rung Flors. Die Schü­le­rIn­nen pack­ten die Gele­gen­heit beim Schopf, tüf­tel­ten, sin­nier­ten und baten die Auto­rin um Rück­mel­dung und Rat.
Und doch waren diese krea­ti­ven Zeug­nisse nur der erste Streich. Ein Per­spek­ti­ven­wech­sel musste her, das helfe dem eige­nen Text weiter, ver­hin­dere, dass man sich in einem ersten Ent­wurf eines Textes zu sehr ein­niste und das Poten­tial so vieler ande­rer Her­an­ge­hens­wei­sen über­sehe. Unter Anlei­tung Flors zogen die Schü­le­rIn­nen Reden von Barack Obama, Daniel Kehl­mann und Mar­gre­the Ves­ta­ger heran, um sich Ideen für die eigene Text­pro­duk­tion zu holen. Kaum ver­wun­der­lich, dass die Zeit nur so ver­flog, aber das Beste daran: Olga Flor erklärte sich bereit über den Work­shop hinaus Texte der Schü­le­rIn­nen zu lesen und Rück­mel­dun­gen zu geben – ein Ange­bot, das mit Begeis­te­rung ange­nom­men wurde.

Priska Sei­sen­ba­cher