Besondere Schülertexte

Letzte Aktualisierung: 14.01.2019

Das dre­ckige Licht
von Lisa, 7E

Kannst du bitte das Licht anlas­sen, Mama?“ – Nein Schätz­chen, wir müssen die Welt vor zu viel Licht schüt­zen, auch du musst deinen Teil bei­tra­gen!“ Werden so die Gute-Nacht-Gespräche von morgen ablau­fen? Eins ist jeden­falls sicher. Es ist zu hell. Über­all. Auf der ganzen Welt. Beson­ders schlimm ist es in den Groß­städ­ten. In Wien ist der Nacht­him­mel 1500-mal heller als vor Zeiten der Glühbirne. Aber ist das nicht wurscht“? Des geht mich doch nix an, oder?
Es geht uns alle was an, wenn die Nacht zum Tag wird. Schließ­lich sind nicht nur Men­schen, son­dern auch andere Tier­ar­ten von der Veränderung dieses ewigen Zyklus betrof­fen. Der Ver­lust der Nacht bringt unter ande­rem Störungen des Hor­mon­haus­halts mit sich. Bei Mensch und Tier. Das ist bei­spiels­weise auf die blauen Licht­strah­len zurückzuführen, welche von Bild­schir­men abge­ge­ben werden. Diese beson­de­ren Licht­strah­len lassen unse­ren Körper nicht zur Ruhe kommen. Daher fühlen wir uns kom­plett wach. Doch durch diese Veränderung des Schlaf- Wach-Rhyth­mus wird weni­ger von dem Hormon Mela­to­nin ausgeschüttet. Dieser Mangel for­dert unter Umständen die Vergrößerung von Tumo­ren und die Ent­ste­hung von Depres­sio­nen.
Licht ist überall. Überall und nir­gends. Wie ein Ninja. Nur nicht schwarz und unauffällig, son­dern hell und bunt. Viele von uns behaup­ten, sie können nur bei kom­plet­ter Dun­kel­heit schla­fen. Doch die meis­ten Schlaf­zim­mer sind ent­we­der von außen durch Leucht­re­klame oder Stra­ßen­la­ter­nen oder von innen durch Lap­tops oder Stand-by Lämpchen beleuch­tet. Werden wir davon erleuch­tet? Eher nicht. Wir bauen rie­sige Bau­werke um nach den Ster­nen zu grei­fen, doch können diese auf­grund der Beleuch­tung erst recht nicht sehen. Offen­sicht­lich wollen wir eher unsere Werke als die der Natur bestau­nen.
Wenn dich jemand bedroht, lauf schnell dort­hin, wo es hell ist!“ Das wurde mir als junges Mädchen immer wieder ein­ge­trich­tert. Doch warum? Licht bedeu­tet nicht unbe­dingt Sicher­heit. Ja, da wo Licht ist, sind Men­schen. Doch die müssen nicht unbe­dingt besser sein als die, die in der Dun­kel­heit her­um­strei­fen. Außer­dem kann sich im Licht der Räuber seine Beute aus­su­chen und Flucht­wege planen, so der Experte und Autor Paul Bogard.
Wie sollen wir also mit dem Ver­schwin­den der Nacht umge­hen? Ste­phan Völker, ein Licht­ex­perte der TU, plädiert des­halb für LED-Beleuch­tung. Dabei wird das Licht gerich­tet ver­teilt und nicht zer­streut“, begründet Völker. Bis­lang gibt es in der deut­schen Haupt­stadt nur 500 bis 600 LED-Lampen in der Stra­ßen­be­leuch­tung – von ins­ge­samt 22.000. Es besteht also noch Hand­lungs­be­darf, wenn wir wieder nach den Ster­nen grei­fen wollen.